Von Gastro-Leichen und geplatzten Träumen - Newsletterle vom 24.10.2018

Hallo Leute, Leutinnen und Leutchen,

immer wieder kommen im Club-Management Fragen an, welche Stimulanzien die Mitglieder der Newsletterle-Redaktion einnehmen, um diese abgedrehten Pamphlete zu PC zu bringen. Dazu kann folgendes festgestellt werden: das aktuelle Zeitgeschehen bietet einen bunten Strauß an Realsatire. Es braucht keine bewusstseinserweiternden Mittelchen, um Tatsachen zu beschreiben und zu kommentieren. Welcher Bürger unserer aufstrebenden Murrmetropole hätte denn bis vor ein paar Tagen damit gerechnet, dass unser beschauliches Städtchen eine der feinst(aubverseucht)en Städte in Deutschland ist und in einer Reihe mit dreizehn anderen genannt wird, die im Gegensatz zu Backnang jeder kannte. Jetzt weiß jeder, dass Backnang der Mikrokosmos ist, in dem gasförmige Bestandteile in der Luft rar sind, dafür aber ein würziger Feinstaubcocktail in unsere Atemwege eindringt und sie verstopft. In diesem Kontext muss man die Absicht des großen Gönners der Stadt, Hermann von den Lerchenäckern, ein Hochhauses auf dem Kaelble-Areal zu errichten, noch positiver sehen, denn wie befreiend muss das Atmen im 30. Stock sein, wenn man auf die grauen, hustenden Gestalten im Feinstaubnebel hinunter blicken kann. Doch auch ein anderer Visionär ist zum Glück hart auf dem Boden der Realität aufgeschlagen. Aus dem Gasthaus Löwen ein Brauhaus mit 300 Plätzen zu machen, ist grober Unfug in der gastronomischen Landschaft Backnangs, wo die Lokale reihenweise schließen. Gerade mal 50 m entfernt vom Löwen modert die Gastronomie-Leiche "Alte Vogtei" vor sich hin und dieser Geruch zieht über das Rathaus in Richtung Löwen. Es findet sich seit Jahren kein Wirt, der dieses schmucke Lokal in bester Lage betreiben will, genauso wie für die Linde in Großaspach. Die Herren Gomez und Höfliger haben sich das sicher anders vorgestellt.

Angenommen das Brauhaus-Monster funktioniert, dann ist es doch so, dass die bereits vorhandene Gastronomie Gäste verlieren wird, denn es ist kaum vorstellbar, dass täglich ZUSÄTZLICHE 150-200 Gasthaus-Besucher dauerhaft dem Magnet-Sofa abschwören und ihre gemütlichen Abende vor dem Fernseher zugunsten teurer Abende beim neuen Löwen-Wirt opfern werden. Anfänglich wird der Tempel sicherlich gut besucht sein, aber im Laufe der Zeit lässt die Neugier nach und die Gäste werden weniger und es kommt das böse Erwachen: in Backnang gibt es dann noch weniger bezahlbare Gastronomie als heute, weil inzwischen weitere Lokale schließen mussten. Und der Löwen röchelt dann auch nur noch, weil der Reiz des Neuen halt schnell verfliegt und die Plätze leer bleiben.

Es ist ohne Zweifel löblich, wenn man das Schmuckstück "Löwen" nicht als Spielhölle enden lassen will, aber Neues muss auch in die Landschaft passen. Das Brauhaus-Projekt hat sich als "Stroh"-Feuer heraus gestellt und der Traum des obersten Backnanger Stadtfürsten, Frank I., auch Frankie der Joviale genannt, von gemeinderätlichen Umtrunken in unmittelbarer Nähe seines Arbeitsplatzes ist zerplatzt. Vielleicht sollte man die Großprojekte in Backnang besser koordinieren und die Neubebauung des Kaelble-Areals mit dem Ausbau der Gastronomie in Einklang bringen? Aber dazu wäre konstruktive Kommunikation nötig. Hat sich da schon etwas getan?

Doch wie geht's eigentlich dem Club und CEM Nicht-Özdemir? Seit dem Ende der Sommerpause Mitte September ist er im Wechselbad. CEM hat für die gerade laufende letzte Club-Saison unter seiner Regie bewusst die Knaller-Bands aus 12 Jahren Live-Musik-Historie ausgewählt und das Programm mit einigen neuen Akzenten versehen. So sind im November und Dezember neue Formationen am Start, die frischen Soundwind bringen. Trotz bester Bandauswahl ist es aber so, dass der Zuspruch der Gäste nicht die Erwartungen erfüllt. Woran liegt's? Das kann jeder für sich selbst am Besten beantworten. Sehr schade ist jedenfalls, dass gerade die Bands, die seit Jahren dem Club-Publikum die geilsten Konzerte gegeben haben wie z.B. Ratatoui und die Fourfighters, nun mit gerade mal zwei Dutzend Live-Fans in halbleeren Hallen ein ganz mieses Bild vom Club mitnehmen. Dies betrübt CEM sehr und er ist es leid, nach Erklärungen für dieses Desinteresse zu suchen. Offensichtlich ist es so, dass das Unterhaltungsangebot des Club in weiten Teilen nicht mehr dem Publikumswunsch entspricht und sich das Publikum mehrheitlich entschieden hat, dass der Club ausgedient hat. Nicht der Wirt schließt das Lokal, sondern die Gäste. Aber vielleicht findet sich ja noch ein Nachfolger, der das Etablissement weiterführt. Letztes mal hat es nur 15 Jahre (1991 bis 2006) gedauert, bis zwei "Unternehmer" es unternahmen, das Unternehmen "Club Backnang" zu unternehmen. Es wird dieses Mal sicherlich nicht so lange dauern bis eine Entscheidung fällt, wie es mit dem Lokal weiter geht. Wir werden sehen....

Am Samstag hat CEM Nicht-Özdemir, der Unermüdliche, eine Band am Start, die ihm persönlich sehr am Herzen liegt. Henning Dedekinds Rock-Band "Grauer Mann tanzt" ist eine echte Bereicherung der Backnanger Musiker-Szene. Klassischer Independent-Pop, Proto-Punk, 70er-Rock und Garagen-Attitüde treffen auf Elemente aus Folk, Ska und Jazz. Eigene Songs, wohlkomponiert und mit Lyrik ausgestattet, die nichts vermissen lassen, was guten Alternative-Rock ausmacht. Natürlich muss die Live-Darbietung auch passen. Hier genügt dem Anspruch von Henning (Mikro und Gitarre), Alex (Schlagwerk) und Markus (Bass) schlicht Professionalität. Es bleibt CEM Nicht-Özdemir nichts anderes übrig als "Grauer Mann tanzt" die Club-Live-Band-Höchstwertung zu geben: 5(!) gefatzte Gitarrensaiten.

"Grauer Mann tanzt" spielt im Club am Samstag, den 27.10.18. Einlass ab 21 h - Konzertbeginn ca. 21:30 h. Eintritt frei (Hut geht rum). Lasst euch das nicht entgehen!

Euch noch ne gute Rest-Woche und bis Samstag dann...

Euer Club-Team
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